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Vidoll Reset Tour Shin Kiba Studio Coast
Datum: 2010.12.24
 Konzert 
Künstler:   Vidoll  
Datum Konzert: 2010.09.18
Bild © 2010 Sword Records
Das Konzert der Visual Rock Band Vidoll im Shin Kiba Studio Coast war das letzte ihrer Reset Tour. Sowohl die Fans als auch die fünf Member wussten, dass sich die Band damit auf unbestimmte Zeit verabschieden würde. Sänger Jui wird schon seit längerem von Stimmproblemen geplagt. In seinem Blog klagte er darüber, dass es ihm nicht mehr möglich sei, das Falsett zu singen, auf das er stets stolz gewesen war. Ohne seinen Inhalator zu benutzen, könne er mittlerweile gar nicht mehr singen. Im Frühjahr wurde ein Blutgerinnsel in seinem Hals festgestellt, das ihm enorme Schmerzen bereitet und nach der Tour operativ entfernt werden muss. Wann die 2002 gegründete Band wieder auftreten kann, hängt vom Heilungsprozess ab.

Fest steht aber, dass sie zurückkehren möchten – das stellte Jui im Shin Kiba Studio Coast klar. Nach den drei ersten Liedern hatten die J-Rocker eine Zwangspause einlegen müssen, da es technische Probleme mit dem Schlagzeug gab. Der Sänger nutzte dies zu einer lockeren Plauderei mit dem Publikum, als es förmlich aus ihm herausplatzte: „Es ist heute nicht vorbei!“ Auch wenn hinter den Instrumenten und im Zuschauerraum eine Bombenstimmung herrschte, so schwebte der Abschied von der Bühne wie ein Damoklesschwert über dem Abend.

Die gesamte Band war jedoch äußerst professionell und ließ sich nichts anmerken, versuchte den Auftritt zu genießen und gab 100%. Drummer Tero heizte trotz Zwangspause die Stimmung weiter an und ließ sich vom Publikum auf der Bühne feiern. Sein Outfit war schlichter als die silbernen und grauen Ensembles der anderen, beim Stylisten dürfte er aber am längsten gesessen haben: Sein rotes Haar hatte Akzente aus Cornbraids.

Bei den darauf folgenden Liedern bearbeitete Tero sein Drumkit wieder mit voller Kraft und das - vornehmlich weibliche – Publikum tanzte mit, als gäbe es kein Morgen. Die Mädchen standen der Band in Sachen Styling in nichts nach, vom Lolitastyle mit Schleifen und Rüschen bis zu den letzten Modetrends war alles vertreten. Doch die aufwändigen Outfits hinderten sie nicht daran, komplett auszuflippen, bei Chocoripeyes verfielen sie – wie schon beim ersten Klassiker Deathmate, der auf dem gleichnamigen Minialbum erschien und als zweites gespielt wurde - in jenes simultane Headbangen, wofür Zuschauer in Japan so berühmt sind. Die Vidoll-Fans mit ihren Schleifen im Haar ließen an diesem Abend selbst hartgesottene Metalheads blass aussehen und zeigten während des Sets mit 18 Liedern plus Zugaben keinerlei konditionelle Schwächen.

Trotzdem gönnen Jui und Tero sowohl den anderen Membern als auch den Fans eine Verschnaufpause mit der gefühlvollen Ballade hatsu yuki, bei der der Drummer seine Sticks gegen Pianotasten eintauschte. Während der gefühlvollen Darbietung war es im Publikum äußerst ruhig und anschließend gab es Applaus, wie man ihn von klassichen Konzerten gewohnt ist – sicherlich einer der emotionalen Höhepunkte der Show und Beweis dafür, dass Vidoll auch die leisen Töne beherrschen.

Mit der Rückkehr der beiden Gitarristen Shun und Giru sowie Bandleader und Bassist Rame zog das Tempo langsam wieder an: Vidoll spielen Cloud, einen Track von ihrem Album Bastard aus dem Jahr 2007. Während des Gitarrensolos sah man auf dem Screen hinter der Band Wolken, die über einen strahlend blauen Himmel ziehen, was ein stimmungsvolles Gesamtbild ergab.

Nach weiteren Hits wie At Age 13, Blue Star, Tree und anderen verließen die fünf die Bühne. Doch das Publikum forderte minutenlang eine Zugabe, die die Musiker ihnen gerne gaben. Doch dabei blieb es nicht, insgesamt drei Mal betrat Vidoll nach „Encore“-Rufen erneut die Bühne. Diese Verlängerung war, als würde man das gesamte Konzert noch einmal erleben, jedoch in konzentrierter Form - Jui und der Rest der Band drehten noch einmal voll auf. Schließlich ließ sich der schlanke Sänger mehrfach ins Publikum fallen und genoss es, bei diesem Bad in der Menge seinen Fans ganz nahe zu sein. Die Security kam mächtig ins Schwitzen, als Shun es ihm gleichtat, denn die Fans gaben ihre Idole nicht ohne weiteres wieder heraus. Vor der dritten Zugabe wechselten Vidoll ihr Outfit und präsentierten sich in den T-Shirts zur Reset-Tour, ehe sie ihre aktuelle Single Crescent Gazer (erschien am 13. September) spielten, die beim Publikum ein voller Erfolg war. Für Fans und Band wird sicherlich unvergessen bleiben, wie Jui mit dem textsicheren Publikum zusammen sang. Als Vidoll die Bühne dann irgendwann verlassen mussten, bedankte sich der Sänger noch einmal und wollte sich verabschieden, konnte den Satz jedoch nicht zu Ende bringen. Wer sein Schluchzen durch das Mikrofon nicht gehört hat, sah die Tränen auf seinem Gesicht über den Livescreen – dem Musiker fiel der Abschied von der Bühne unglaublich schwer.
Author: Stefanie Held
letzte Änderung: 2011-05-22