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HeavensDust im Sunrize Ryogoku
Datum: 2010.09.28
 Konzert 
Künstler:   HeavensDust  
 
Bild © Stefanie Held
Das Livehouse Sunrize liegt inmitten von Tokios Ryogoku-Bezirk, der jedem Touristen ein Begriff ist. Ein wenig ist er das Äquivalent zu Kyotos Gion, das berühmt für seine Geishas ist, die dort heute noch wie seit Jahrhunderten in ihren prächtigen Kimonos in den Teehäusern arbeiten. Ryogoku repräsentiert dagegen das männliche Sinnbild Japans – den Sumoringer. Es befindet sich dort nicht nur der Kokugikan, jene Kampfsportarena, wo dreimal im Jahr die großen Wettkämpfe dieser archaischen Sportart stattfinden, sondern auch die Sumoschulen und diverse Restaurants, die den Ringern mit speziellen Gerichten zum Kampfgewicht verhelfen. Auch im Edo-Tokyo-Museum ist der Geist alter Zeiten zu spüren, als Tokio noch voller Holzhäuser war.
Die Metalband HeavensDust passt hervorragend in diesen Stadtteil, der so sehr mit Japans Tradition verbunden ist, da sie die klassische Besetzung einer Rockband durch althergebrachte Instrumente aus dem Land der aufgehenden Sonne ergänzen. Sänger Shin hatte das Ziel, mit dieser Band „die Seele der traditionellen japanischen Musik mit einem modernen westlichen Sound zu kombinieren“, wie es auf der Homepage der Band heißt.
Wie bei jeder Metalband spielt bei ihnen das Schlagzeug eine zentrale Rolle, aber HeavensDust legen mit einem ganzen Arsenal von Taiko Trommeln nach, die Ajo mit dicken Stöcken bearbeitet. Diese Instrumente werden traditionell aus einem Baumstamm hergestellt und die Samurai haben sie ursprünglich im Krieg eingesetzt, um einerseits die eigenen Truppen in einen Blutrausch zu versetzen und andererseits den Gegner psychisch zu schwächen. Ein Instrument, das wie geschaffen scheint, um in einer Metalband einen harten Takt vorzugeben.
Beim Intro des zweiten Songs, Unknown Pain, steht die Shakuhachi, eine Bambusflöte, im Vordergrund. Daisuke Kaminaga spielt sie und sein Anblick ist nicht nur wegen der Flöte ungewöhnlich: Seine Augen sind dunkel geschminkt und das Gesicht wird von einem schwarzen Muster geziert. Danach spielen HeavensDust den Song Blast, der auf ihrem fünften Album, Closure Leading The Way, zu finden ist. Da die Band live auf die Unterstützung einer weiblichen Stimme verzichtet, klingt er im Sunrize wesentlich härter als in der Albumversion.
Dann kündigt sich Cry And Fall mit seinem Intro an, bei dem zunächst die Taiko-Trommeln Ajos zu hören sind, ehe sich ein Gitarrenriff und Okajis Schlagzeug dazugesellen. Der Rhythmus erinnert ein wenig daran, wie man seinen eigenen beschleunigten Herzschlag spürt, wenn man aufgeregt ist. Auf der Bühne gelingt es HeavensDust, diese Art von Anspannung durch die Musik fühlen zu lassen, sodass es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Shins Stimme verstärkt dieses Gefühl noch enorm: Sie klingt extrem ruhig, dies scheint jedoch daher zu rühren, dass eine gewisse Aggression mit viel Disziplin unterdrückt wird. Erstaunlich ist auch, wie präsent Daisuke Kaminagas Shakuhachi zwischen all den Trommeln und E-Gitarren ist. Die Bambusflöte hatte in früheren Zeiten einen festen Platz in Ensembles, die am kaiserlichen Hof auftraten. Aufgrund ihrer geringen Lautstärke spielt sie dort jedoch seit dem 12. Jahrhundert keine Rolle mehr. Kaminaga benutzt beim Spielen der Shakuhachi ein Mikrofon, das sich auf faszinierende Weise mit dem Muster in seinem Gesicht verbindet.
Überhaupt ist HeavensDust auch optisch sehr interessant, was man schon allein daran sieht, dass viele weibliche Fans schon lange vor dem Auftritt der Band ins Sunrize geströmt sind.
Gitarrist 5hiNo' steht neben dem Flötenspieler auf der Bühne und wirkt mit der blassen Haut sowie den dunkel umrandeten Augen gleichzeitig faszinierend und düster, was durch den Anzug mit dem weinroten Hemd noch verstärkt wird. Beim nächsten Lied begleitet sein Headbanging die ersten Takte, auch Bassist HAL geht begeistert mit und unterstützt Shin mit Backgroundvocals. Seine kehligen, rohen Schreie erzeugen Gänsehaut.
Der darauf folgende Song begeistert das Publikum durch seine Dynamik und es mobilisiert die letzten Energiereserven für das ausgelassene Headbangen. Insanity besitzt eine Wucht, die sich sofort auf jeden Körper überträgt, keiner kann mehr still stehen.
Zu einem der Höhepunkte des Gigs im Sunrize zählt auf jeden Fall die Schlacht zwischen den Taiko Trommeln und dem Schlagzeug, HeavensDust nennen das Stück Lightning. Nicht nur der ungewöhnliche Klang fasziniert, sondern auch der Umstand, dass diejenigen, die für den Rhythmus verantwortlich sind, im Mittelpunkt stehen. Wenn man Ajo mit der schwarzen Maske, die lediglich seine Augen erkennen lässt, zusieht, wie er mit muskulösen Armen auf die Felle einschlägt, so wird man unwillkürlich wieder an die Samurai-Krieger erinnert.
HeavensDust beschließen den Abend schließlich mit Annihilation und Bassist HAL, Gitarrist 5hiNo' kehren zusammen mit dem Sänger auf die Bühne zurück, um noch einmal zu rocken. Frontmann Shin beweist beim anschließenden Interview mit dem Moderator des Sunrize, dass er trotz des düsteren Aussehens auf der Bühne sehr sympathisch ist, und bringt mit seinem Humor die Anwesenden zum Lachen.

Setliste
1: Distressed
2: Unknown Pain
3: Blast
4: Cry And Fall
5: In My Sleep
6: Insanity (Everything I See)
7: Lightning (Taiko and Drum Battle)
8: Annihilation
Author: Stefanie Held
letzte Änderung: 2010-12-05