fav
Künstler:
Typ:
Datum:
Titel / Künstler
Datum
 Typ 
MUCC eröffnen ihre Chemical Parade Tour in der Hibiya OCH
Datum: 2010.10.31
 Konzert 
Künstler:   MUCC  
Datum Konzert: 2010.10.31
Bild © 2010 photo by yuki kuroyanagi
MUCC starten ihre Chemical Parade Tour in stürmischen Zeiten, das erste der beiden Eröffnungskonzerte in der Hibiya Openair Concert Hall fand genau an dem Abend statt, als Taifun Chiba über Tokio hinwegfegte. Fans und Band trotzten jedoch dem stürmischen Regenwetter und beim zweiten Gig hatte Petrus dann ein Einsehen. In Mitteleuropa wäre ein open Air Konzert am letzten Oktobertag undenkbar, in Japan dagegen sind die Temperaturen mild genug und die Stimmung sollte sich auf der Freilichtbühne ohnehin schnell aufheizen.

Aufgrund der bedrohlichen dunklen Wolken am Himmel ist das Accessoire Nr. 1 bei den Fans, die Plastiktüte, dicht gefolgt vom Regencape, das sich auch das Sicherheitspersonal überzieht, kurz bevor es losgeht. Ansonsten sind die MUCC Anhänger jedoch voll im Trend, viele haben sich passend zu Halloween gekleidet, manche kommen sogar kostümiert. Es geht also äußerst farbenfroh zu in Hibiya.

Auch vor der Bühne hat das gruselige Fest aus den Vereinigten Staaten nicht halt gemacht: Rechts und links davon sind zwei große Figuren aufgebaut, deren Rumpf und Kopf aus Kürbissen bestehen. Sie blicken grimmig und drehen dabei sogar den Kopf hin und her, sodass sie wirken wie zwei schaurige Wachposten. Dort, wo in wenigen Minuten die Band erscheinen wird, ist alles bedeckt von überdimensionalen Kürbissen und silbernen Kugeln. Dahinter befindet sich eine Projektionswand mit blauem Wolkenhimmel und einer weißen Ziege, die ins Publikum glotzt. Dieses Bild dürfte denjenigen, die sich das brandneue Album der Band, Karma gekauft haben, bekannt vorkommen: Es handelt sich um eben jene Wiesenlandschaft mit blauem Himmel, die das Cover ziert, die silbernen Kugeln sind ebenfalls identisch.

Schließlich irren grelle Scheinwerfer auf der Bühne umher, als würden sie etwas suchen, und dann betreten sie die Bühne: Tatsuro, Miya, SATOchi und YUKKE. Sie gehen alle zunächst zum Rand der Bühne, winken ihren Fans zu, um sie zu begrüßen, ehe sie zu den Instrumenten greifen. Als nächstes startet die fantastische Lightshow, ein grüner Laserfächer spreizt sich über dem Publikum auf und die ersten Takte von MUCCs aktueller Single Falling Down erklingen. Die Fans sind ein Phänomen und starten von 0 auf 100 genau wie der Sänger, gemeinsam hüpfen sie alle, bis die Freilichtbühne zu wackeln beginnt. Tatsuro hat eine weite schwarze Hose an, dazu ein Gilet, weißes Hemd und schwarze Handschuhe. Das Haar ist zu kleinen Zöpfen geflochten, die in einem Pferdeschwanz zusammengefasst sind.

Bei Zeroshiki bestechen die Fans durch Textsicherheit. Das kleine Feuerwehrauto, das bis jetzt auf dem Podest des Schlagzeugs stand, kommt nun auch zum Einsatz, allerdings als Luftgitarre. Das nächste Lied ist ebenfalls vom Album Karma, während Tatsuro immer wieder auf und ab hüpft, wird auf der Projektionswand der Titel Chemical Parade Blueday eingeblendet. Der Song hat absolutes Ohrwurmpotenzial. Anschließend ist die Bühne dunkel, nur Gitarrist Miya wird durch einen einzelnes Spotlight erhellt, als er das Intro zu Oz spielt. Die Nummer passt mit ihrem roheren, rockigen Sound an dieser Stelle wunderbar ins Set. Tatsuro tobt sich weiter aus, indem er von einem Podest auf der Bühne zum nächsten springt und headbangt, sein Gesang wird durch gelegentliches Growling variiert.

Danach kündigt das langsame „uh-uh-uh“-Intro die ruhigere Nummer A. an, in der Tatsuros sanft und gefühlvoll im Vordergrund steht. Nach Dakkuu erklingt ein Intro mit Electroanklängen, auf der Projektionswand erblüht eine riesige Lilie, die kaum, dass sie zu voller Schönheit gereift ist, wieder stirbt. Die Lightshow jedoch legt erst richtig los: Über den Köpfen der Fans erscheint ein grünes Lasermuster, das wirkt wie eine elektronische Schaltzeichnung, später verwandelt sich das Ganze in dreidimensionale Spiralen, dann Quader und erinnert ein wenig an einen Windows Bildschirmschoner passend zum Titel I am Computer.

Besonders schön ist das ganze Bühnenspektakel jedoch bei der zehnten Nummer Corruption: Zunächst ist alles ganz still und dunkel, man hört sogar das Zirpen der Insekten im Hibiya-Park. Dann erkennt man Grabsteine auf dem Hintergrund und die ganze Szenerie erinnert ein wenig an Tim Burton. Corruption hat deutlich jazzige Anklänge, dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass YUKKE nun einen so genannten Electric Upright, einen Standbass, benutzt, der an den Kontrabass der Jazzmusiker erinnert. YUKKE wirbelt damit nur so über die Bühne und genießt die Bewegungsfreiheit, die ihm sein Bass gibt.

Nach der wunderschönen Ballade Polaris, bei der mittels Laser ein Schneegestöber über das Publikum gezaubert wird, wünscht der Sänger allen, die gekommen sind, „Happy Halloween!“. Dann greift Tatsuro zur Mundharmonika, SATOchi schließlich führt FUZZ mit einem Drumsolo zu Ende, bei der nächsten Nummer, Howling steht er zwischendurch auf und ist fast genauso präsent auf der Bühne wie seine Kollegen, was bei Schlagzeugern naturgemäß eine Seltenheit ist. YUKKE und Miya sind ebenfalls vorne am Bühnenrand und drängen ihren Sänger damit für kurze Zeit etwas in den Hintergrund. Beim letzten Song zeigen alle vier Musiker noch einmal ihre außergewöhnliche Spielfreude und Energie, ehe sie von der Bühne verschwinden.

Das Publikum hat sich bei dem ganzen Konzert derartig verausgabt, dass es zunächst eine Verschnaufpause braucht, aber dann werden die Schreie nach einer Zugabe sehr laut und MUCC lassen auch nicht lange auf sich warten. SATOchi und YUKKE erscheinen als Erste in den Tourshirts und albern herum, fallen über die Silberkugeln und jagen einander hinterher. Nach Orugooru und Ranchuu schnappt sich Tatsuro ein Körbchen mit kleinen Geschenken, die er ins Publikum wirft. Nach freesia wirft SATOchi schließlich seine Drumsticks und Miya und YUKKE beglücken die Fans mit ihren Plektren.

Setliste

1. FALLING DOWN
2. Zeroshiki
3. Chemical Parade Blueday
4. Oz
5. A.
6. Dakkuu
7. I am Computer
8. Hotaru
9. moon[L・N]ight
10. Corruption
11. Polaris
12. FUZZ
13. Howling
14. Lion
15. Namonaki yume

Zugabe
Orugooru
Ranchuu
freesia
Karma
Author: Stefanie Held
letzte Änderung: 2011-02-06